# Workshop 08 — Standardisierung & Lineare Regression > CAS Practical Machine Learning · Supervised Learning · Lektion 5 (Foliensatz 13, Folie 68) > Zeit: 60' ## Aufgabenstellung Untersuche den Einfluss des **Standardisierens der Features** auf folgende Ergebnisse der Linearen Regression: - Modellkoeffizienten - Predictions - Score (R²) **Optional / zu Hause:** Untersuche den Einfluss des **Logarithmierens des Targets** auf die Performance der Linearen Regression. ## Datensatz Fortsetzung des Praxisteils → **Melbourne Housing Dataset**. | Datei | Inhalt | | ---------------------- | --------------------------------------------------- | | `data/melb_data_prep.csv` | aufbereiteter Datensatz (Workshop 03), Target `Price` | | `src/bfh_cas_pml.py` | Kursmodul mit `prep_data()` / `prep_demo_data()` | Beide Dateien stammen aus den Kursmaterialien (analog `bank_data_prep.csv` + `bfh_cas_pml.py` bei WS6). `prep_data()` erledigt Feature-Target-Split **und** Train-Test-Split: ```python from bfh_cas_pml import prep_data X_train, X_test, y_train, y_test = prep_data("data/melb_data_prep.csv", "Price", seed=1234) ``` **Fallback** (self-contained, falls die Kursdateien fehlen): `sklearn.datasets.fetch_california_housing` — ebenfalls Immobilienpreise mit rechtsschiefem Target, gut für den Log-Teil. ## Ordnerstruktur ``` workshop8 ├── data │ └── melb_data_prep.csv # aus Kursmaterial (oder Fallback via sklearn) ├── devenv.lock ├── devenv.nix ├── README.md └── src ├── bfh_cas_pml.py # aus Kursmaterial (nur für Melbourne-Variante) └── linearregression.py # Lösung ``` ## Vorgehen 1. Daten laden (Variante wählen: Melbourne oder California-Fallback). 2. **Baseline** ohne Standardisierung: `LinearRegression` fitten → `coef_`, `intercept_`, Predictions, Score festhalten. 3. **Mit Standardisierung**: `StandardScaler` *nur auf `X_train`* fitten, dann `X_train` + `X_test` transformieren → erneut fitten, dieselben Grössen festhalten. 4. **Vergleichen**: Koeffizienten, Predictions, Score gegenüberstellen. 5. *(optional)* Target logarithmieren (`log1p`/`expm1`), Performance auf Originalskala vergleichen. ## Erkenntnisse ### Standardisierung (Schritte 1–3) **Kernaussage:** Bei der einfachen `LinearRegression` ändert Standardisieren der Features **nur** Koeffizienten und Intercept (→ Interpretation), **nicht** aber Predictions und Score. OLS ist invariant gegenüber linearer Umskalierung der Features. - **Koeffizienten** — ändern sich. Zusammenhang: `coef_std ≈ coef_roh * X_train.std(axis=0)` (Populations-Std, `ddof=0`). Die skalierten Koeffizienten sind „pro Standardabweichung"-Gewichte → das ist das **standardisierte Regressionsgewicht β** aus dem Theorieteil. Erst dadurch werden die Features untereinander vergleichbar (Roh-Koeffizienten hängen an der jeweiligen Feature-Skala). - **Intercept** — ändert sich: von ≈ −1.06e8 (Vorhersage am unsinnigen Punkt „alle Rohwerte = 0") auf ≈ +1.06e6. Nach dem Skalieren liegt „alle Features = 0" beim Mittelwert jedes Features → dort sagt OLS gerade `y_train.mean()` voraus, also `intercept_std ≈ y_train.mean()`. - **Predictions** — identisch (bis auf Fliesskomma-Rauschen). OLS „sieht" eine reine Umskalierung der Achsen nicht: die Geometrie der Punktwolke bleibt gleich, das Modell gleicht die Skalierung vollständig über die Koeffizienten aus. - **Score (R²)** — identisch: `0.5601419746121108` vs. `…148` (Unterschied erst an der 14. Stelle = numerisches Rauschen aus dem unterschiedlich skalierten Gleichungssystem, kein echter Effekt). **Warum bei einfacher LR egal:** OLS wird analytisch über die Normalgleichungen gelöst, kein iterativer Solver → die Skalierung beeinflusst weder Lösung noch Konvergenz. **Wann Standardisierung _doch_ zählt:** - **Ridge / Lasso**: der Strafterm ($\lambda \sum \beta_j^2$ bzw. $\lambda \sum |b_j|$) bestraft die Koeffizienten*grösse* — die hängt bei Rohdaten an der Feature-Skala → ungleiche Bestrafung. Darum „Standardisierung erforderlich" (vgl. Theorienotizen, Ridge). Hier ändert Skalieren das Ergebnis tatsächlich. - **Interpretierbarkeit / Feature-Vergleich** über β (s.o.). - **iterative Solver** (Gradientenverfahren): Konvergenz — bei OLS irrelevant. ### Log-Target (Schritt 4, optional — noch offen) Anders als Feature-Scaling verändert eine **Target**-Transformation das Modell _wirklich_: `log(y)` modelliert einen multiplikativen statt additiven Zusammenhang. Vorgehen: - fit auf `np.log1p(y_train)` - Predictions mit `np.expm1(...)` **zurücktransformieren**, *bevor* R² auf der Originalskala gerechnet wird - `log1p`/`expm1` statt `log`/`exp` wegen möglicher Nullwerte (`log(0)` undefiniert) Erwartung (Hypothese, selbst verifizieren): - Preise sind rechtsschief → Log-Transform macht die Verteilung symmetrischer, Residuen homoskedastischer - `expm1` ist immer > 0 → keine negativen Preis-Vorhersagen mehr (vgl. Folien-Fazit S. 64) - R² auf der Originalskala kann sich ändern — **Achtung:** nicht Log-Skala mit Original-Skala vergleichen ## Wichtig - Scaler **nur auf Trainingsdaten** fitten → sonst Data Leakage. - Beim Log-Target Predictions **vor** der R²-Berechnung zurücktransformieren. ## Quellen - Foliensatz 13 (Regressionsanalyse), V. Vogel, TI BFH — Praxisteil & Folie 68 - Notizen: `../../L5_Notizen.md`